Rückblick

Ein Blick über den Tellerrand

Der Wirtschaftsverlag hat für die Lehrlingsfachtagung eine ganze Reihe an spannenden Referenten eingeladen. Die teilweise in der HR Szene fast schon Kultstatus besitzen, aber in Ausbilderkreisen nicht wirklich bekannt sind. Ralf Tometschek von den Identitätern, einem der führenden Spezialisten für employer branding, hat es auf den Punkt gebracht: Lehre ist ein Premium Produkt, immerhin investiert ein Betrieb rund 70.000 EUR pro Lehrling. Er brach eine Lanze dafür, dass die Lehre ein wesentlicher Teil der Positionierung als Arbeitgeber ist – Stichwort soziale Verantwortung – und nicht nur ein Anhängsel. Eröffnet wurde der erste Tag durch einen informativen Einblick von Michael Guzei, kreativdesign zum (Jugend)thema Onlinesucht. Gefolgt von einer Podiumsdiskussion zum Wildwuchs der Qualitätssiegel mit Vertretern wie Josef Wallner vom IBW, Christian Schendlinger von der Stadt Wien oder Branchendoyen Hans Bundy.

Mitreißend und gefühlt zu kurz war der Vortrag von Marina Gottwald, klinische Psychologin. "Keiner versteht mich, warum Jugendliche anders denken" hat wohl nicht nur die Ausbilder angesprochen, sondern viele auch als Eltern. Das Gefühl, das auch ein Vortrag mit einer Stunde viel zu kurz sein kann, wurde am Ende des ersten Tages noch durch Peter Grechtshammer, Leiter Sportmanagement Nachwuchs des SK Rapid, verstärkt. Die Parallelen zwischen der Ausbildung junger Fußballer und unseren Lehrlingen waren derart überwältigend, dass die Teilnehmer mit ihren Fragen den Tag erst mit deutlicher Verspätung enden ließen. Die Eröffnungs-Keynote am zweiten Tag war der nächste Höhepunkt. Robindro Ullah, einer der bekanntesten Vertreter der deutschen HR Szene zum Thema employer branding berichtete aus seiner Zeit bei der Voith AG, was alles mit Überlegung und Mut zu machen ist, wenn man Jugendliche erreichen möchte. Und sein Ausflug in die Welt der Jugendlichen von heute, mit Beispielen im Computerspiel Minecraft oder Jugendchannels wie musically.me, sorgte neben allgemeiner Erheiterung für das Gefühl, dass wir unsere Lehrlinge brauchen werden, um Jugendliche zu verstehen.

Dieses Gefühl konnte im Anschluss gleich in die Tat umgesetzt werden. Denn in einem von Erik Schnabl, Dale Carnegie Training Austria, geführten Innovationsworkshop konnte jeder Teilnehmer seine eigenen Möglichkeiten erarbeiten, um neue Wege in Recruiting und Ausbildung zu gehen. Und diese neuen Wege waren das passende Stichwort zum würdigen Abschluss dieser zwei Tage, den Robert Egger, Botschafter des Shaolin Tempels, setzte. Wer bislang glaubte, die Aufgabe der Shaolin sei es Eisenstangen zu verbiegen, der wurde überrascht von den tiefen Weisheiten im Umgang mit Menschen die der Tempel in den rund 1.500 Jahren seines Bestehens entwickelt hat. Robert Egger gelang es, fesselnde Übergänge zwischen Theorien der Hirnforschung, jahrhundertealter fernöstlicher Tradition und dem konkreten Umgang mit heutigen Jugendlichen zu schaffen.

Und damit war nicht nur ein tiefes Verständnis für alle Beweggründe von Jugendlichen gemeint. Sondern auch klare und offene Kommunikation und Stärke, wo es notwendig ist. Um Halt und Sicherheit durch das Treffen und Einhalten von Vereinbarungen zu geben. Etwas, das man auch aus den uns allen bekannten Vorstellungen der immensen Körperkräfte von Shaolin Mönchen ableiten kann. Denn dabei geht es nie um die aufgewendete Kraft, sondern um die Konzentration des Geistes und vor allem um die Entschlossenheit in der Durchführung. Wenn sich ein Mönch entschieden hat eine oder mehrere Steinplatten zu durchschlagen, dann wir er diese Entscheidung mit aller Entschlossenheit umsetzen.